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Der Limes als Prototyp der ‚ÄěImperialen Barbarengrenze"

Der Limes war keine un√ľberwindliche Sperrlinie, an der germanische Invasionen milit√§risch abgewehrt werden sollten. Dazu waren die weit verteilten Soldaten nie in der Lage. Die Grenzanlage trennte vielmehr deutlich sichtbar zwei Kulturr√§ume.

Der innere, sich vermeintlich abschottende Kulturraum galt als kulturell h√∂her entwickelt und bot den Au√üenstehenden gro√üe Anreize wirtschaftlicher und kultureller Art. An der willk√ľrlich gew√§hlten Linie am Rande des Kulturraums entstand eine Barriere, die den Transit nicht verhinderte, sondern kanalisierte und filterte. Der Limes zwang den Verkehr auf bestimmte Verkehrsrouten, die an √ľberwachten √úberg√§ngen die Grenze kreuzten. Hier konnten unwillkommene Besucher abgewiesen oder Waren besteuert werden.

Militärisch gesehen war der Limes nicht die vorderste Linie - die Front der aufgestellten Armee -, sondern der äußere Rand des römisch besiedelten Gebietes. Vor dem Limes begann dann der eigentliche Wirkungsbereich der mobilen Armee, das Vorfeld wurde durch Patrouillen kontrolliert, hier lebten die Bewohner mit Wissen und Billigung Roms. Es sind zahlreiche Fälle bekannt, bei denen Rom vor der Grenze Sperrzonen einrichtete, diese gegen den Willen der Bewohner veränderte oder ganze Stämme zur Umsiedlung zwang.

Einen n√§chtlichen Pl√ľnderungszug einer kleinen Gruppe konnte der Limes nicht verhindern. Da die Grenzverletzung aber von den Turmbesatzungen bemerkt und gemeldet wurde, konnten die Eindringlinge verfolgt werden. Sp√§testens beim Verlassen des R√∂mischen Reiches war die Armee zur Stelle und nahm den Pl√ľnderern am Zaun die Beute wieder ab. Solange die r√∂mische Armee mit ausreichend Soldaten vor Ort war, funktionierte dieses System der Abschreckung so gut, dass die Zivilsiedlungen keine Wehrmauern brauchten und bis unmittelbar hinter dem Limes die Landwirtschaft von ungesch√ľtzten H√∂fen aus betrieben werden konnte.

Die historische Forschung hat f√ľr den Typ der Grenze am Rande eines Imperiums zum Lebensraum der Barbaren nach dem Vorbild des Ph√§nomens Limes den Begriff ‚ÄěImperiale Barbarengrenze" gepr√§gt. Anders als die ‚ÄěNationalstaatliche Territorialgrenze", die eine scharfe Scheidelinie zwischen zwei gleichwertigen und im Prinzip √§hnlich organisierten Staaten ist, markiert diese Barbarengrenze ein Kulturgef√§lle und wird nicht in gegenseitigem Einvernehmen, sondern einseitig von der √ľberlegenen Seite angelegt, verschoben oder aufgegeben.

Literatur

  • J. Osterhammel, Kulturelle Grenzen in der Expansion Europas, Saeculum 46, 1995, 108-138.
  • J. Scheuerbrandt u.a., Die R√∂mer auf dem Gebiet des Neckar-Odenwald-Kreises - Grenzzone des Imperium Romanum (Heidelberg/Ubstadt-Weiher 22009) 39.

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